Computer Love
// 4. Oktober 2010 // 6 Kommentare » // Gastartikel, Hörspiele und Hörbücher
Guten Tag, Guten Tag.
Mein Name ist Sascha und im Normalfall schreibe ich drüben auf endgueltig.com. Heuni war so freundlich und hat mich gebeten einen Gastbeitrag, für die Zeit seines Urlaubs auf der Insel, zu schreiben. Das mache ich selbstverständlich gern und ich überlegte gar nicht lange, worüber ich denn schreiben soll. Es war klar, es muss um Hörbücher gehen. Ich bin ein ganz großer Fan von Hörbüchern und mittlerweile höre ich viel mehr, als das ich selber lese. Hörbücher sind ja seit einiger Zeit auf dem Vormarsch und werden immer beliebter. Ich möchte hier nun also einmal zwei Hörbücher vorstellen, die der werte Leser hier sonst wohl eher nicht finden würde.
Ich spreche von den beiden Büchern “Gut gegen Nordwind” und “Alle sieben Wellen” von Daniel Glattauer.
Gut gegen Nordwind:
Emmi Rothner und Leo Leike, die beide in der gleichen Großstadt wohnen, begegnen sich durch einen Schreibfehler zufällig virtuell. Anfangs zögerlich, beginnt alsbald ein stetiger Email-Briefwechsel.
Für beide wird dieser Austausch zu einem Ventil, weil sie sich ganz so geben können, wie sie wirklich sind. Es kommen vermehrt Gefühle ins Spiel, die eigentlich nicht sein sollten, denn Emmi ist glücklich verheiratet und auch Leo ist von einer gescheiterten Beziehung gezeichnet. Alles läuft auf das große Ziel – ein persönliches Treffen – hinaus, doch würden sie damit nicht eine Illusion zerstören?
Daniel Glattauer trifft mit diesem Roman in jedes Romantiker-Herz. Manche Formulierungen sind so genial, dass man nur noch staunt. Entgegen dem Klischee vom lieblosen und hingeworfenen Email-Verkehr zeigt dieser Roman, dass man auch auf diese Art niveauvoll kommunizieren kann.
Das SIE bis zum Schluss irritiert zwar etwas, macht das Ganze aber irgendwie noch wirklicher, denn beide
verlieren nie den Respekt voreinander, auch wenn sie sich gegenseitig schon mal verletzen. Man überlegt als Hörer unwillkürlich, wie man sich in der einen oder anderen Situation selbst verhalten würde. Großartig dargestellt ist Emmis Zerrissenheit zwischen eigentlich glücklicher Beziehung, aber der steten Suche nach mehr. Sie lässt sich voll auf ihren virtuellen Leo ein, was auch zu extremen Eifersuchtsanfällen führt.
Durch die teilweise recht kurzen Email-Antworten eignet es sich natürlich hervorragend als Hörbuch. Christian Berkel und Andrea Sawatzki lesen diesen Roman, der komplett nur aus E-Mails besteht einfach großartig.
Das Ende ist für einen Romantiker zwar etwas unbefriedigend, war aber vorauszusehen. Inzwischen gibt es ja bereits eine Fortsetzung und von der möchte ich eben auch noch kurz berichten.
Hörprobe
Alle sieben Wellen:
Es ist die Fortsetzung von Gut gegen Nordwind, geschrieben von Daniel Glattauer. Wer dieses Buch kennt, der kennt auch Emmi und Leo. Und genau das ist Alle sieben Wellen: Emmi und Leo pur!
Wenn man hört, dann ist man Emmi und man ist auch Leo. Man taucht ein in die Welt der beiden, fliegt zwischen zwei Emailpostfächern hin und her und kann erst nach und nach langsam wieder auftauchen.
Selbst Tage nachdem man das Hörbuch gehört hat, kann man sich nicht dem Charme, den Gedanken und Gefühlen entziehen, die dieses Hörbuch entfacht. Immer wieder schweift man geistig ab und muss an diese Geschichte denken.
Es ist unfassbar, wie außerordentlich Daniel Glattauers Sprachgefühl ist und wie er aus kleinen Dingen, die man sonst vielleicht gar nicht beachten würde, etwas Großes und Wunderbares macht. Auch diese Fortsetzung wird wieder von Christian Berkel und Andrea Sawatzki gelesen und ist eben auch stimmlich in der oberen Liga anzusiedeln.
Die Geschichte löst einfach alle möglichen Gefühle beim Hörer aus. Begeisterung, unbändige Freude, Wärme und Wohligkeit, aber auch: Angst, Trauer, Frustration, Mitleid, Nervosität….. die Liste ist unendlich fortsetzbar. Eindrucksvoll ist auch, wie es dem Autor gelingt, seinen unvergleichlichen Wortwitz mit einer tiefgründigen Gefühlssensibilität zu verbinden. Man befindet sich stets an einer Kreuzung zwischen Lachen und Weinen…
Hörprobe
So, da staunt ihr alle. So eine kitschige Sache und das aus der Feder eines Mannes. HaHa, also erstens sollten Männer auch romantisch sein und zweitens ist es gar nicht so kitschig wie es klingt; die Geschichte zieht einen eben dadurch, dass sie nur aus Mails besteht, irgendwie in den Bann und das ist wirklich toll.
