Mein Tag der Deutschen Einheit

// 3. Oktober 2010 // Kategorie: Gastartikel // Schlagworte: , ,

Hallo, mein Name ist Sascha. Der ein oder andere kennt mich vielleicht schon als Kommentator hier auf Heunis Blog. Oder ihr habt möglicherweise sogar schon mal meinen Blog gesichtet.net besucht. Jedenfalls genießt Heuni ja momentan das britische Wetter – kann man das überhaupt genießen? Hm, drücken wir es lieber so aus: er genießt die britische Atmosphäre ;) Damit es in seiner urlaubsbedingten Abwesenheit nicht ganz so ruhig hier wird und ihr euch nicht langweilen müsst, hab ich mich bereit erklärt, hier einfach mal einen Gastartikel zu schreiben. Und was läge da näher, als den heutigen Tag zum Programm zu machen? ;)

Der 3. Oktober, der Tag der deutschen Einheit. Könnt ihr euch noch daran erinnern, als damals die Mauer fiel? Wenn ich später mal alt bin… also ich meine so richtig alt, nicht nur so ein bisschen, also nicht so wie jetzt, wo ich mich mit meinem Alter langsam aber stetig und unaufhaltsam aus den 20ern herausbewege… jedenfalls, wenn ich später mal so im typischen Großvater-Alter bin, dann kann ich zu den jungen Menschen sagen, ja, ich war dabei, als damals die Berliner Mauer gefallen ist.

Jedenfalls kann ich das sagen, wenn man sich dann noch an die Mauer erinnert. Wenn ich mir allerdings ansehe, wie nach all den bisherigen Jahren noch fleißig -mal eher scherzhaft, mal ganz ernsthaft- zwischen “Ossis” und “Wessis” unterschieden wird, dann bin ich mir ziemlich sicher, dass man sich auch in vielen Jahren, wenn ich im typischen Großvater-Alter bin, noch an die Mauer erinnern wird. Oder zumindest daran, dass dieses Land mal geteilt war. Selbst dann, falls es den Tag der deutschen Einheit in der Zukunft nicht mehr geben sollte. Wird ja schließlich immer gerne darüber nachgedacht, ihn zu streichen, wenn es der Wirtschaft mal wieder schlecht geht und die Leute mehr arbeiten sollen.

Wer braucht da schon einen Nationalfeiertag? War ja nur DAS Ereignis, auf das seit Bestehen des Grundgesetzes nach dem Krieg hingearbeitet wurde… und auf dass laut Präambel im Grundgesetz auch hingearbeitet werden musste. Also eigentlich ein ziemlich besonderer Tag. Immerhin hat man damals tatsächlich mal etwas gemacht, was im Sinne der Väter des Grundgesetzes war. Sowas kommt ja heute nicht mehr so häufig vor, wenn man den ganzen erfolgreichen Verfassungsbeschwerden gegen Gesetze und Beschlüsse verschiedenster Art glauben kann.

Wie auch immer: ich war dabei, kann ich sagen. Zumindest ein bisschen. Also nicht live vor Ort. Dafür war Berlin zu weit weg. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich gar nicht mehr, ob und wie ich das damals erlebt habe. Schließlich war ich noch ein Kind. Das ist schon ärgerlich! Also nicht die Kindheit an sich, die war schön. Merkt man leider auch meist erst später, wenn man erwachsen(er) ist. Da merkt man dann auch erst die historische Tragweite eines Ereignisses wie den Mauerfall einzuordnen. Wobei das nichts mit dem Alter zu tun hat. Manche sind uralt, und können oder wollen es immer noch nicht verstehen.

Jedenfalls ist es rückblickend total ärgerlich. Da war man bei einem der größten nationalen Ereignisse der Geschichte des eigenen Landes “dabei”… und irgendwie wieder auch nicht. An den 11. September kann ich mich noch prima erinnern. Auch durchaus ein geschichtsträchtiges Datum. Da war ich auch bedeutend älter. Ich weiß noch genau, wo ich war und wie es war, als ich mitbekam, was da in den USA passiert war.

Aber was habe ich beim Fall der Berliner Mauer gemacht? Oder als die Verträge zur Wiedervereinigung unterschrieben wurden? An den Tagen und Ereignissen, denen wir nun jährlich am 3. Oktober gedenken… solange es den Feiertag noch gibt. Ich weiß es nicht mehr, kann mich nicht erinnern. Sehr ärgerlich. Aber das muss ja niemand erfahren. In vielen, vielen Jahren, wenn ich im Großvater-typischen Alter bin, wird niemand danach fragen. Und wenn doch, dann kann ich die Gedächtnislücken auf das Alter schieben… wie praktisch. Und immerhin kann ich dann dennoch behaupten: ja, ich war damals dabei!

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4 Kommentare to “Mein Tag der Deutschen Einheit”

  1. juliaL49  (@) sagt:

    Hehe, wenn du noch in den 20ern bist, dann ist es schon schwierig, sich noch richtig zu erinnern. Ich in ja seit einigen Monaten nicht mehr so jung und kann mich entsprechend gut erinnern. Noch viel frischer ist aber meine Erinnerung an 10 Jahre Leben im Osten. Als ich 99 in Greifswald anfing zu studieren, gab es am Anfang schon die Frage, ob man Wessi oder Ossi, hat das aber schnell vergessen, weil wir eben den größeren Teil unseres Lebens nach der Wiedervereinigung gelebt haben. Diejenigen, die jetzt anfangen zu studieren, die sind sogar danach geboren und es wird gar nicht mehr gefragt, woher man stammt.
    Und so denke ich auch, dass wenn wir im Großelternalter sind, dass wir uns zwar erinnern werden, aber dass es eben nur um das Ereignis selber ging (wie du so schön schriebst), aber nicht mehr um die Unterschiede von Ost und West. Das ist meine Hoffnung. Genauso wie mittlerweile langsam der zweite Weltkrieg nur noch durch Erinnerungen aus zweiter Hand erfahren werden kann, genauso wird es auch irgendwann mit dem getrennten Deutschland sein.

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  2. Janina  (@) sagt:

    Oh hallo Sascha! Wo man dich alles findet :D Also ich war damals sogar näher dabei, als du. Ich lebte ja in Westberlin. Aber mit meinen 4 Jahren (oder damals sogar 3) hab ich nichts mitbekommen! Aber ich bin da auch nicht so traurig drüber. Wenn wir schon älter gewesen wären, hieße das, wir hätten auch die ganze Mauerdramatik miterlebt. Und da bin ich nicht so heiß drauf. Nee nee, ist schon alles gut so, wie es ist!

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  3. [...] diesem Grund findet ihr meinen heutigen Artikel zum Thema “Mein Tag der deutschen Einheit” bei Interesse bei meinem Blogger-Kollegen Heuni, der derzeit im britischen Urlaub verweilt und für [...]

  4. Sascha  (@) sagt:

    @juliaL49
    Ich denke schon, dass es auch in vielen Jahren noch eine Unterscheidung zwischen “Ossis” und “Wessis” geben wird. Allerdings keine so ernste, wie sie früher mal war und heute in Teilen immer noch ist, sondern eher so eine scherzhafte, wie sie ja seit Ewigkeiten auch z.B. zwischen Bayern und Preußen bestehen. Solange das alles unverkrampft und scherzhaft daher kommt, habe ich da auch nie ein Problem mit :)

    @Janina
    Tja, ich bin immer und nie, überall und nirgendwo ;) Die Szenen, die sich an der Mauer abspielten, waren sicherlich oft dramatisch, auch ohne die ganzen Verfilmungen, die es in dem Bereich ja immer wieder gibt. Wenn man bedenkt, was manche Menschen da alles veranstaltet und sich haben einfallen lassen, um zu fliehen… unglaublich.

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