Jetzt und hier

// 24. Mai 2008 // Kategorie: August and everything after // Schlagworte: , , ,

Logisch, dass man manche Dinge gerne ändern würde. Aber kennt Ihr das Gefühl, wenn der Wunsch so dermaßen groß ist, dass es Euch richtig heftig in Wehmut versetzt?
Soll ich Euch sagen, was ich meine? Ich habe vor gut einem Jahr den Text Reue geschrieben. Erklärt habe ich ihn nie. Ich will es versuchen:
Ich war damals nach der zehnten Klasse auf dem Gymnasium der Liebigschule (Lio). Durch absolut energische Faulheit habe ich nie gelernt und hätte die elfte Klasse nicht überstanden. Ich ging nach einem dreiviertel Jahr von der Schule ab.
Mittlerweile bin ich in Ausbildung in einer Marketingagentur. Es gefällt mir sehr sehr gut.
Ich habe super Freunde (Danke Olli, Tobi, Hanna, Kathrin, Thoddy, Meli und Co.), ich wohne in einer netten Gegend, ich liebe meine Familie (Kuss an Mutti), ich bin gesund und lebe nicht in Armut – alles scheint also richtig gut zu sein. Nein, leider ist es das nicht.
Wie schon erwähnt bin ich von dieser Schule sehr früh abgegangen und habe mich anderen Sachen gewidmet. Und genau das ist das, was fehlt.
Ich ärgere mich jedes Jahr Ende Mai zu Tode, dass ich nicht geblieben bin. Ende Mai findet immer das Big Band Konzert der Lio statt. Tolle Songs, von Swing über Jazz bis zu Rock und Pop (Beispiele: Smoke on the Water, Sound of Silence, Hymn, Kids, usw.) und ich sehe meine alten Schulkollegen wieder. Ich erkenne sie alle am Gesicht wieder, doch einige habe ich auf der Schule ob der kurzen Zeit nie richtig kennen lernen dürfen. Andere wiederum treffe ich und wir schwelgen in Erinnerungen an die damalige Zeit.
Und jetzt zu meinem Gefühl – das was fehlt: ich bereue es zutiefst, dass ich die drei Jahre bis zum Abitur nicht vollständig durchgezogen habe. Mit allen Höhen und Tiefen. Ich war wohl zu jung und wollte nicht lernen, war zu faul und engstirnig. Ich hätte Abipartys, den Abiball, den Abschlussscherz und all die anderen tollen Sachen miterleben dürfen. Ich hätte heute tolle Bekannte gehabt, tolle Menschen mit einer Geschichte.
Immer wenn ich an diese Schule denke, kommt das Gefühl, dass dies nicht nur eine Schule war. Es war ein Gefühl. Zusammenhalt, Freude, geteiltes (Schul)Leid und nette Gespräche.
Die Lio war nicht leicht, aber sie war eine Institution. LK Bio und Informatik. Gut, hätte ich heute nicht mehr gewählt, da ich nicht der Programmierer bin und von Bio gar keine Ahnung habe.
Nette Anekdote: im Bio Unterricht mikroskopierten wir Pantoffeltierchen. Diese verflixten Dinger schwammen auf dem Träger immer herum und man bekam sie auf dem Mikroskop nicht zentriert. Endlich gab es mal Ruhe, ich zentrierte und schrie durch den gesamten Klassensaal: “Herr Drese, ER steht!”. Alle lachten. Ich dachte nach, bemerkte meinen Fehler und lachte mit.
Solche Momente, solche Geschichten hätte ich heute noch mehr zu erzählen – wäre ich geblieben.
Das Gefühl auf dem Schulhof der Lio herumzulaufen und dabei an die schöne Zeit zu denken, das Gefühl, etwas geschafft zu haben, mit ca. 110 anderen Menschen meines Jahrgangs – es wird mein Leben lang fehlen.
An alle Schüler des Abijahrgangs Lio 2005 (RABINSON CRUSOE – 13 Jahre warten auf Freitag), die das jetzt lesen: ich hätte Euch gerne noch etwas näher kennengelernt. Mit Euch gelacht, getrauert und Spaß gehabt. Egal ob wir uns gut oder nicht so gut bis gar nicht gekannt haben damals, meldet Euch doch mal via StudiVZ oder hier auf meinem Blog per Kommentar. Denn ich kann die Zeit nicht zurück drehen – aber Ihr könnt mir helfen, trotzdem das Gefühl zu haben, dabei gewesen zu sein. Evtl. kann man ja heute auch noch Kontakte knüpfen. ich wäre Euch dafür 100%ig dankbar. Ich bin derjenige, der in der Abizeitung unter “verlorener Sohn Dominik Heuni” stand.
Was bleibt also? Ein Gefühl von Reue, die schönen Gedanken an die Lio, die netten Menschen und ein winziges Gefühl, dabei gewesen zu sein. Über Kommentare Eurerseits freue ich mich riesig.
Lio 2005 – Danke!
Do

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2 Kommentare to “Jetzt und hier”

  1. Hanna sagt:

    Ui.Du sparst echt nich mit Worten.^^ Kann man aber auch verstehen. Wenn du das so beschreibst freue ich mich richtig auf die Oberstufe und bin froh die drei Jahre noch erleben zu dürfen. Komisch, ich hab früher immer gezählt wie viele Jahre ich noch in die Schule gehen muss und jetzt da es nur noch 3 sind, werd ich sogar richtig traurig. Auch wenn die Schule Streß bedeutet glaub ich is es echt ne super Erfahrung, wen man da alles so kennenlernt. Das Konzert gestern war große Klasse un ich freu mich jetz schon auf nächstes Jahr. Und du hättest, finde ich, auch in die Bigband gehört!=)

    GLG und danke für die Erwähnung im Text ,ich fühl mich geehrt=)
    Hanna

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  2. Michel sagt:

    HI Heuni,

    das klingt ja nach echter Trauer…
    Natürlich hast du einiges verpasst, aber dafür auch sicherlich einiges anderes erlebt!
    Wenn ich eines gelernt habe dass man aus der Vergangenheit lernen sollte, ihr aber nicht hinterher trauern sollte, was sicherlich alles andere als leicht ist.
    Nimms als Motivation und mach das Beste aus der Zukunft!
    Grüße aus Mannheim!

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